Antrag der BÜNDNIS 90 / Die Grünen zum Risikomanagement – Sturzflut

Jenbach am 04. August 2020

Frau Sieglinde Angermaier (Fraktionssprecherin) stellte am 27. August 2021 folgenden Antrag:

Der Gemeinderat der Gemeinde Bad Feilnbach möge beschließen, dass die Verwaltung und der Erste Bürgermeister beauftragt werden, die Erstellung eines Konzeptes des kommunalen Sturzflut Riskmanagement zu beginnen und die entsprechenden Summen im Verwaltungshaushalt 2022 einzustellen.

Begründung:

In Folge des Klimawandels wandelt sich auch die Verteilung der Niederschläge: Es steigt die Häufigkeit und Dauer von Hitze- und Dürreperioden, und es wächst auch das Risiko von extremen Starkregen, die auf einzelne Kommunen oder sogar Stadtteile begrenzt sind und verheerende Auswirkungen haben können. Nachstehend einige Beispiele aus der Region:

Am 29.06.2021 fielen in der Innenstadt von Landshut laut BR24 in nur 25 Minuten 60 Liter Regen pro Quadratmeter. Von dem Unwetter waren vor allem die Hanglagen der Stadt betroffen. Die Wassermassen kamen aus dem Wald und über die Felder. Der Pressesprecher der Feuerwehr Landshut Dominik Zehatschek sagte im Interview: „Dass wir flächendeckend die Keller bis zur Oberkante voll hatten, dass ganze Geschäfte überflutet sind, oder dass in unserer Alt- und Neustadt das Wasser und der Schlamm knietief steht, so was weiß ich in 20 Jahren Feuerwehr nicht.“

Am 26.07.2021 verwüstete ein Gewitter mit Hagel und Starkregen stellenweise die Gemeinde Irschenberg. Das Wasser schoss 20cm hoch aus dem Wald und drang in Häusern ein. Keller und Garagen liefen voll, Straßen und Wege wurden überflutet. Feuerwehrkommandant und Dritter Bürgermeister Tom Niggl sagte laut merkur.de: „Ich mache das schon einige Zeit, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt. Schlimm sei gewesen, dass die Gewitterwolke nicht weitergezogen ist, sondern gewissermaßen hängengeblieben war.“

Starkregenereignisse unterscheiden sich deutlich von „normalen“ Hochwasserereignissen:

  • extrem kurze Vorwarnzeit
  • im Fokus steht der wilde Abfluss über die Fläche, massive Erosionen und Überschwemmungen entlang von kleineren Gewässern
  • durch die hohen Niederschlagsmengen dominiert häufig ein oberirdischer Abfluss auch außerhalb von Gewässern und der Kanalisation
  • da die Kanalisation und weitere Entwässerungssysteme diese Wassermassen nicht aufnehmen können und ein kompletter baulicher Schutz nicht möglich ist, spielen in der Bewältigung Kommunikation, Eigenvorsorge der Bevölkerung und eine vorausschauende Planung im Katastrophenschutz eine zentrale Rolle

Die Vermeidung bzw. Minimierung von Schäden von Starkregenereignisse ist daher eine zentrale Zukunftsaufgabe (auch in Hinblick auf die Klimaanpassung).

Daher soll ein Konzept zum kommunalen Sturzflut-Risikomanagement erstellt werden. Die Gesamtkosten belaufen sich in anderen Kommunen auf ungefähr 60.000 €. Wesentliche Punkte sind die Bestandsanalyse, die Gefahrenermittlung, die Risikoermittlung sowie Erstellung eines Handlungskonzeptes (Abstimmung der Akteure).

Die Bayerische Staatsregierung hat seit Mitte September 2017 ein Sonderförderprogramm „integrale Konzepte zum kommunalen Sturzflut-Risikomanagement“ aufgelegt. Es werden 75% der förderfähigen Kosten, in diesem Fall 45.000 €, über Fördermittel finanziert. Der Antragszeitraum des Programmes wurde bis Ende des Jahres verlängert.

Wir bitten um Ihre Unterstützung

Am 16. November 2021 wurden Maßnahmen bei einem Online- Infoabend „Hochwassergefahren und Starkregenereignisse“ präsentiert. https://www.youtube.com/watch?v=lluWe6KZNGU

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